PLAYGROUND ROBOTICS

TEXTAUSZÜGE
 
Rolf Pfeifer
Roboter bauen - (k)ein Kinderspiel oder: Probieren geht über studiere


Roboter eignen sich auch hervorragend dazu, Grenzen zu überschreiten, Grenzen zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen, aber auch zwischen den Generationen: Erwachsene und Kinder können problemlos und spielerischer über die Roboter in Kontakt kommen. In unserem Forschungslabor, dem Artificial Intelligence Lab an der Universität Zürich, haben wir Mathematiker, Physiker, Ingenieure, Informatiker, Neurowissenschaftler, Biologen, Molekularbiologen, Philosophen, Designer, Publizistikwissenschaftler, und Künstler. Nicht nur das, wir haben auch Forscher aus zehn verschiedenen Ländern der Welt. Diese recht chaotische Situation trägt wesentlich zu einer kreativen Stimmung bei und Roboter helfen, Brücken zwischen den verschiedenen Welten zu schlagen. Und weil das ganze Spass macht, verbringen die Forscher viel Zeit im Labor, auch ihre Partner und Partnerinnen sind häufig da, schauen sich Filme an, die strenge Trennung von Arbeit und Freizeit ist da längst aufgehoben.

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Die Roboter, die in diesem Buch vorgestellt werden, sind nicht nur ein Resultat, ein Spiegel dessen, was in der Welt von Wissenschaft, Kunst, Design, Technologie, und Gesellschaft passiert, sondern sie bieten hier auch die Möglichkeit zum persönlichen Erlebnis. Vergiss die Biederkeit Ð ãdig right in!Ò Oder um ein Zitat von Karl Valentin zu nehmen: "Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut." Hier dürfen alle, ob sie mögen wollen oder nicht.
Dominik Landwehr:
Druckluftzylinder, Glühlampenanzeigen und die Faszination der Hafenkräne. Impressionen vom Hamburger Institut f18


Ein kalter Novembermorgen im Jahr 1999. Termingerecht liefert ein deutsches Transportunternehmen vor dem Kulturzentrum Dampfzentrale eine mannshohe Holzkiste aus Hamburg ab. Sie gehört einer Gruppe von jungen deutschen Künstlern aus Hamburg, die unter dem Namen Institut f18 auftreten: Stefan Doepner, Lars Vaupel, Jan Cummerow und Gwendolin Taube, temporär mit dabei ist Tom Diekmann. In den nächsten Tagen wird die Gruppe ein merkwürdiges Kunstwerk zusammenbauen: Das Exoskeleton. Eine sechsbeinige, insektenähnliche Figur. Sie vermag eine Person zu tragen und in ungelenken Bewegungen vorwärts, rückwärts und zur Seite über den Bühnenboden zu gehen.

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Im Gespräch ordnen die Mitglieder der Künstlergruppe ihrer Erfahrungen ein: "Das Exoskeleton war ein wichtiges Projekt für unsere Gruppe: Wir haben uns da vor allem mechanisch verbessert und hatten zum ersten Mal die Chance mit neuem Material und nicht mit Schrott zu arbeiten. Wir haben die für einen Laufroboter eigentlich ungünstige Insektenform mit technischem Leben erfüllt, konnten dabei aber erstmals das Material und die Pneumatik nach den Anforderungen auswählen, da wir hier mit der Firma SMC einen starken Partner hatten. Bei unseren vorherigen Eigenproduktionen lief es oft umgekehrt ab, es gab wenig Geld, also fuhren wir zum Schrottplatz und viele Ideen entstanden dort nach dem Prinzip der Verüfgbarkeit des Materials: aha - es gibt das und das an Material für unser Geld, mal sehen was man draus machen kann..."
"Der Mensch ist ein Cyborg". Ein Gespräch mit dem Roboter-Künstler Stelarc

Was ist das Spezifische am Menschen?
Vorstellungen wie Seele oder Geist sind kulturelle Konstrukte. Man kann die Ideen eines Geistes in der Welt durch Interaktionen erklären. Wir haben einfach die Tendenz, unsere Ideen nach aussen abzubilden, zu projezieren. Geist ist ein kulturelles Konstrukt, nicht etwas, das per se schon existiert.

...und die Seele?
Ich glaube nicht, dass wir eine Seele haben!

...was macht also den Menschen aus?
Es ist nicht nur die Kodierung der Information in unseren Zellen oder unsere Chemie. Was uns einzigartig macht ist die Technologie, die wir geschaffen haben. Wir haben zwei Hände, um damit Artefakte, Instrumente und Maschinen zu bauen. Technologie ist nicht etwas Fremdes, Anderes. Man kann Technologie und Körper nicht trennen. Technologie ist ein Teil des Menschen.
Barbara Basting
Der Angriff der Maschinen auf den Geniebegriff. Eine kurze, lückenreiche Geschichte


Im 19. Jahrhundert wird durch die Mechanisierung des Handwerks eine Entwicklung eingeleitet, die auch für die Kunst Folgen haben wird. Der Franzose Joseph-Marie Jacquard (1752-1834) perfektionierte den mechanischen Webstuhl: Viel schneller als zuvor können komplizierte Muster und Rapports gewebt werden. Den nach diesem Mechaniker benannten, bis heute üblichen Jacquard-Mustern lagen Lochkarten zugrunde. Lochkarten sind die Vorläufer des modernen Computers; und etwas verkürzt könnte man sagen, Jacquards Erfindung war auch der Beginn der automatisierten Produktion von vorprogrammierten Bildern.

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Die Faszination mit den Strukturen und Mustern, die von Zeichnungsautomaten und Computern heute erzeugt werden können, ist gross; die Faszination mit deren suggestivem Oberflächenzauber kann als spätes Erbe der Popkunst gelten. Dieser Zauber wirkt umso nachhaltiger, als inzwischen durch raffinierte eingebaute Zufallsgeneratoren und Routinedurchbrechungen, interaktive Elemente oder Feedbackloops die menschliche Spontaneität in erstaunlichem Masse simuliert werden kann. Aber Künstler, die meist nach wie vor dem skizzierten Kunstsystem mit seinem Leitbegriff der Autonomie der Kunst inklusive dem Kunstmarkt, verpflichtet sind, werden versuchen, Verfahren entwickeln, die genau die Grenzen dieser Roboter aufzeigen.


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